Monatsübersicht Juni 2009
Der Taucher in der Milchstraße - der Schwan
Manche Menschen denken, der Schwan
sei, analog zum Kreuz des Südens, das
Kreuz des Nordens.
Das kommt von seiner auffälligen Form
am Sommerhimmel.
Das Sternbild stellt einen fliegenden
Schwan dar, der in die Milchstraße
eintaucht. Sein hellster Stern Deneb (α
Cygni) symbolisiert dabei den Schwanz
und ist auch die direkte Übersetzung des
arabischen Namens "danab al dagaga",
was soviel wie "Schwanz der Henne"
bedeutet.
Hatte Deneb dieselbe Entfernung zu uns, wie Wega (25 LJ), wurde er in etwa so hell leuchten, wie der Vollmond. Der lange Schwanenhals wird von den Sternen ν Cygni und dem bekannten Doppelstern Albireo (β Cygni) gebildet.
Die geschwungenen Flügel setzen am Körper des Tieres an, welcher von dem Stern γ cygni gebildet wird. Durch den Schwan zieht sich das helle Band der Milchstraße, weshalb das Sternbild reich an interessanten Sternen und nebligen Objekten ist.
Im Schwan befindet sich die zweitstärkste kosmische Radioquelle des Himmels. Die Radiostrahlung geht von einer aktiven Galaxie aus, die den Namen Cygnus A erhielt. Die Galaxie ist 650 Millionen Lichtjahre entfernt und wird optisch erst auf langbelichteten Teleskopaufnahmen sichtbar.
Da der Schwan mitten durch die Milchstraße geht, ist er reich an Sternen. So verwundert es auch nicht, dass sich zwei der schönsten Doppelsterne in diesem System finden.
Der zweithellste Stern, γ Cygni namens Sadr (verkürzt aus arab. "adr al-dagaga" "Brust der Henne") ist ein 750 Lichtjahre entferntes Doppelsternsystem. Neben dem hellen Hauptstern befindet sich in einem weiten Winkelabstand von 142 Bogensekunden ein lichtschwacher Begleiter von nur 9,5m. Zur Beobachtung reicht ein kleineres Teleskop ab 6 cm Öffnung.
Quelle: http://sa-sa-na-loft-astro-society.org/SIGs/astrophoto/index.html
Das 385 Lichtjahre entfernte System β Cygni (Albireo)
ist ein sehr schönes Beobachtungsobjekt.
Bereits mit einem größeren Prismenfernglas oder
einem kleinen
Teleskop kann man das System in Einzelsterne
auflösen, wobei die beiden Sterne einen deutlichen
Farbkontrast aufweisen. Das System besteht aus
einem orange-rötlichen Riesenstern der Spektralklasse
K3 und einem bläulichen Begleiter der
Spektralklasse B9.
Der heute gebräuchliche Name Albireo geht auf einen Übertragungungsfehler zurück. Der ursprünglich arabische Name lautete al-minkhar al-dagaga – "der Schnabel der Henne". Quelle
Charles Messier hat zwei offene Sternhaufen im Schwan in seinen Katalog mit aufgenommen: M29 und M39.
Weit spektakulärer sind die 3 berühmten Gasnebel: NGC 6960 – Cirrusnebel, IC 5067 – Pelikannebel und NGC 7000 - Nordamerikanebel.
Seinen Namen erhielt der Nebel aufgrund seiner Form, die an eine Landkarte des nordamerikanischen Kontinents erinnert.
© Luc Viatour http://www.lucnix.be/
Am Himmel ist der Nebel mit 120 mal 100 Bogenminuten sehr ausgedehnt (der Vollmond hat einen Durchmesser von ca. 30'). Er ist relativ einfach zu finden, da er sich etwas westlich des hellen Sterns Deneb (α Cygni) im Schwan befindet. Der Gasnebel ist zwischen 2.000 und 3.000 Lichtjahren entfernt (seine genaue Entfernung ist nur schwer zu bestimmen) und besteht überwiegend aus Wasserstoff, der teilweise in ionisierter Form (HII) auftritt und sichtbares Licht in Form von tiefroter Strahlung emittiert.
Auf lang belichteten Fotografien erscheint der Nebel daher intensiv rötlich. Die visuelle Beobachtung des Nebels ist allerdings trotz seiner Gesamthelligkeit von 6m ziemlich schwierig. Man benötigt einen dunklen, mondlosen Himmel, der nicht durch künstliche Lichtquellen gestört wird. Der Nebel kann dann mit einem Prismenfernglas als diffuses Objekt wahrgenommen werden.
Mythologie des Schwans
Eine Deutung bringt ihn mit der Sage um den Gott Phaeton in Verbindung. Phaeton hatte sich den Sonnenwagen seines Vaters Helios geborgt. Bei der übermütigen Fahrt über den Himmel geriet der Wagen jedoch außer Kontrolle und richtete ein Chaos an, bei dem die Welt zu verbrennen drohte. Um eine gänzliche Vernichtung der Welt zu verhindern und um die Hybris des Phaeton zu strafen, wurde er von Zeus mit einem Blitz getötet und stürzte in den Fluss Eridanus. Phaetons Freund Kokons, der König der Ligurer, war über dessen Tod untröstlich und wanderte unentwegt am Ufer des Eridanus entlang. Schließlich wurde er in Gestalt des Schwans an den Himmel versetzt.
Himmelsübersicht Juni 2009
Alle Zeiten sind, sofern nicht anders angegeben in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) - für die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) muss eine Stunde addiert werden.
Nun ist er endgültig da, der Sommer. Die Sonne passiert am 21. um 7:46 Uhr Sommerzeit den höchsten Punkt ihrer Jahresbahn. Es ist Sommersonnwende und der Beginn des astronomischen Sommers.
Leider hört sich der astronomische Sommer für die Hobbyastronomie eher schlecht als gut an. So erreicht die maximale Nachtlänge am 21. des Monats von 23:23 Uhr (MESZ) bis 3:20 (MESZ) gemessen am Dämmerungsende bis zu Dämmerungsanfang. Das Hauptaugenmerkt im Juni liegt also auf unserem Zentralgestirn - der Sonne.
Mond und Planeten
Am 07.06. um 16:12 Uhr ist Vollmond. Der nächste Neumond wird am 22.6. um 20:35 Uhr eintreten. Merkur erreicht seinen größten westlichen Winkelabstand zur Sonne. Dies reicht diesmal aber leider nicht für eine Morgensichtbarkeit, da der flinke Planet bereits um 4:18 Uhr untergeht und zu diesem Zeitpunkt die nautische Dämmerung längst begonnen hat. Venus beherrscht mit ihrem Glanz den Morgenhimmel. Etwas früher wie Merkur erreicht sie ihren größten westlichen Winkelabstand zur Sonne am 5. des Monats. Zum Monatsende wird sie bereits um 2:52 Uhr (MESZ) aufgehen und sich somit bald von der Himmelsbühne verabschieden.
Nun ist es soweit, langsam aber sicher kommt der Rote Planet aus seinem Quartier. Endgültig zu beobachten ist Mars allerdings erst im Spätherbst. Vorerst zeigt er sich zögerlich am Morgenhimmel. Aufgang ist gegen 3 – leider verblasst er recht schnell wieder, da ihm die aufgehende Sonne um 4 Uhr schon den Kontrast nimmt. Der große Held des Nachthimmels wird in diesem Monat der Riesenplanet Jupiter, der am 15. des Monats seine Oppositionsschleife beginnt und in Folge dessen seine Helligkeit auf -2,7 mag ansteigt. Damit ist er nach Mond und Venus das hellste Gestirn am Nachthimmel. Saturn verabschiedet sich langsam in die Sommerpause und erscheint noch halbhoch im Südwesten nach Einbruch der Dunkelheit. Bereits Ende des Monats kehrt der Ringplanet der zweiten Nachthälfte den Rücken. Uranus ist am Morgenhimmel mit lichtstarken Optiken zu erhaschen. Neptun geht nun ebenfalls schon vor Mitternacht auf und wird kurzzeitig ein Begleiter Jupiters, welcher als Aufsuchhilfe für Neptun gute Dienste leistet.
Sternbilder
Im Juni geht es tierisch zu am Firmament. Der Schwan, der Löwe, der Krebs, der Skorpion, der Schlangenträger mit der Schlange und der Adler finden sich gemeinsam ein im nächtlichen Zoo. Einschränkend muss bemerkt werden, dass Löwe und Krebs gerade am untergehen sind. Dafür präsentiert sich nun aber schon prächtig das Sommerdreick bestehend aus Atair (Adler), Wega (Leier) und Deneb (Schwan) – diese drei Sterne sind auch diejenigen, die schon zur blauen Stunde mit etwas Übung und blossem Auge erkannt werden können. Für die anderen Sterne müssen wir leider noch etwas den weitern Fortschritt der Dämmerung abwarten. Dann präsentiert sich der Nachthimmel aber wieder in wunderbarem sommerlichem Glanz, wenn sich das feine Band der Milchstraße durch den Schwan, vorbei am Adler und mitten durch den Skorpion bis tief in den Süden erstreckt. Aus dem Stachel des Skorpion scheint das Band der Milchstraße emporzusteigen, während wir langsam den direkten Blick auf das galaktische Zentrum im Schützen geniessen dürfen.
Sternenhimmel im Überblick am 15. Juni 22:00 Uhr MESZ

Grafik erstellt mit Stellarium 0.10.2 http://www.stellarium.org

