Monatsübersicht Mai 2009
Kugelsternhaufen älter als die Milchstraße
In unserer Milchstraße gibt es sehr alte Objekte - die Kugelsternhaufen. Kugelsternhaufen sind für die Astronomen äußerst interessante Objekte, da sie sehr alt, sehr nah und sehr dicht sind. Die Sterndichte in einem Kugelsternhaufen ist 20.000-mal größer als die Umgebung unserer Sonne. Das bedeutet, wäre unsere Sonne Teil eines Kugelsternhaufens würden alle Sterne des Zentrums in dem Raum unseres Sonnensystems Platz finden. Der nächste Stern zu unserer Sonne ist mit 4.3 Lichtjahren Proxima Centauri - der mittlere Abstand der Sterne eines Kugelsternhaufens beträgt dagegen nur knapp 1 Lichtjahr. Kugelsternhaufen sind recht helle Objekte, die schon in kleineren Teleskopen gesehen werden können. In großen Teleskopen entfalten sie ihre ganze Pracht und lassen sich bis ins Zentrum hinein auflösen.
In unserer Milchstraße gibt es ca. 150 Kugelsternhaufen, deren Bewegung in Richtung des galaktischen Zentrums verläuft. Einige der Kugelsternhaufen sind bis zu 180.000 Lichtjahre entfernt, gehören aber noch zu unserer Milchstraße.
Zur Bestimmung des Alters bedient man sich des Herzsprung-Russel-Diagramms, welche die Sternentwicklung anhand der Leuchtkraft und der Spektralklasse (Temperatur) grafisch darstellt. Sehr große Sterne werden schneller zu sog. Riesen oder Überriesen, da der Prozess der Kernfusion schneller von statten geht, als bei kleinen Sternen.
Große Sterne wandern also schneller im Hertzsprung-Russel-Diagramm aus der Hauptreihe heraus nach oben.
Da alle Sterne eines Kugelsternhaufens nahezu das gleiche Alter aufweisen, kann anhand dieses Diagramms also das Alter des Kugelsternhaufens bestimmt werden.
Sind nur die großen und heißen blauen Sterne nicht mehr auf der Hauptreihe so ist der Haufen also recht jung – ca. 10 bis 20 Mio. Jahre alt. Finden sich dagegen Sterne wie unsere Sonne, welche die Hauptreihe erst nach einen Milliarden Jahren verlassen, so haben wir es mit einem Sternhaufen zu tun, welcher ein Alter von 13 bis 14 Milliarden Jahre hat.
Die Kugelsternhaufen sind also älter als unsere Milchstraße, somit sind sie in der Urprotogalaktischen Wolke (dem Vorläufer der Milchstraße) entstanden. Sie sind aber nicht die ersten Sterne überhaupt! Die ersten Sterne überhaupt bestanden aus Wasserstoff und Helium und waren 100- bis 1000-mal größer als unsere Sonne. Dadurch war das Lebensalter dieser Sterne auf wenige 100.000 Jahre begrenzt.
Das Ende dieser Sterne bedeutete dann auch die Freisetzung von Metallen (alle Elemente jenseits von Wasserstoff und Helium bezeichnet der Physiker als Metall). Nun haben Kugelsternhaufen eine sehr geringe Metallizität, was darauf hindeutet, dass sie sich aus den Gasen der ersten Sterne gebildet haben.
Das stellt die Wissenschaft allerdings vor ein Problem. Gaswolken neigen dazu zusammenzufallen. Aus diesem kollabierenden Gas entstehen dann Sterne. Gleichzeitig verhindert dies aber der Druck der entstandenen Sterne, welcher dafür sorgt, dass das Gas nach außen wegströmt. Es ist momentan noch nicht möglich zu erklären, wie soviel Sterne gleichzeitig entstehen konnten. Dennoch entstanden die Sterne wie man anhand des Sternalters sehen kann in sehr kurzer Zeit, für astronomische Verhältnisse fast zeitgleich.
Der Kern der Kugelsternhaufen ist sehr dicht und die Sterne unterliegen den gegenseitigen An- ziehungskräften. Dadurch sind die Bahngeschwindigkeiten in Kugelsternhaufen sehr hoch. Dadurch werden von Zeit zu Zeit Sterne aus dem Kugelsternhaufen hinausgeschleudert, was zu einer Verdichtung des Zentrums führt. Der Kugelsternhaufen wird also kompakter.
Kugelsternhaufen sind also die ersten Objekte der Ur-Milchstraße. Man geht davon aus, dass es früher über 1000 dieser Objekte gegeben hat, welche aber im Entstehungsprozess der galaktischen Scheibe, wie wir sie heute kennen aufgerieben wurden.
Kugelsternhaufen Omega Centauri NGC 5139
© Heinrich Forth, Wolfgang Briechle AVSO (Rooisand-Namibia)
Himmelsübersicht Mai 2009
Im Mai kommt der Sommer! Die Sonne strebt ihrem höchsten Punkt entgegen und verlängert so die Tageslänge noch einmal deutlich. Am 15. Mai wird das Dämmerungsende um 21:32 Uhr erreicht. Zwischen dem 1.5 und dem 31.5 verlängert sich die Tageslänge um eine ganze Stunde.
Mond und Planeten
Am 09.05. um 5:01 Uhr ist Vollmond. Der nächste Neumond wird am 24.5. um 13:11 Uhr eintreten. Merkur kann unter günstigen Bedingungen noch an den ersten beiden Maitagen beobachtet werden, danach bleibt er in Folge der späten Dämmerung leider unbeobachtbar. Venus baut ihre Rolle als Morgenstern weiter aus. Der Venusaufgang erfolgt im Laufe des Monats eine Stunde früher, allerdings geht auch die Sonne immer früher auf.
Auf Mars herrscht derzeit auf der Nordhalbkugel Winter und er nähert sich seiner Morgensichtbarkeit, wird diesen Monat aber noch nicht sichtbar.
Jupiter hat seine Morgensichtbarkeit abgelegt und wird nun zum Planeten der zweiten Nachthälfte. Seine Bahn verläuft durch den Steinbock, dadurch bleibt er weiterhin recht tief. Jupiter strebt seiner Opposition, welche er im Juni erreichen wird näher. Das macht sich in einem deutlichen Helligkeitsanstieg bemerkbar.
Saturn wird am 17. zum zweiten Mal stationär und wandert anschließend wieder rechtläufig durch den Löwen. Damit ist seine Oppositionsperiode beendet, seine Helligkeit sinkt um fast eine Größenklasse und er zieht sich langsam aus der zweiten Nachthälfte zurück.
Uranus bleibt in diesem Monat unsichtbar. Neptun wird am 29. rückläufig und bewegt sich seiner Opposition entgegen. Er kann mit guten Teleskopen am Morgenhimmel gefunden werden.
Sternbilder
Der große Waagen dient uns auch hier wieder als Wegweiser. Verlängert man den Bogen seiner Deichsel gelangt man zu dem hellen, gelben Arktur, dem Hauptstern des Bootes. Der Rinderhirte hat eine papierdrachenartige Form und ist recht markant. Im weiteren Verlauf zeigt die Deichsel auf einen hellen, blau-weißen Stern - Spica, der Hauptstern der Jungfrau. Welche als klassisches Frühjahrbild gerade ihren Meridiandurchgang hat.
Der Löwe hat diesen schon hinter sich und bereitet seinen Abgang vom Sternenzelt vor. Damit wird auch die Sommerperiode eingeläutet, wenn im Osten die klassischen Sommersternbilder des Schwans, des Adlers, der Leier, des Herkules und der nördlichen Krone aufgehen.
Allerdings lässt sich der Adler noch etwas Zeit, so dass mit Wega und Deneb erst zwei der drei Sterne des Sommerdreiecks zur Standardbeobachtungszeit sichtbar sind.
Sternschnuppen
Als einzigen Meteorstrom sind im Mai die Mai-Aquariden (Eta-Aquariden) sichtbar. Leider ist ihr Radiant sehr horizontnah, so dass zum Zeit des Maximums am 4. Mai nur Bewohner südlicherer Breiten in den Genuß der 20 Sternschnuppen pro Stunde kommen.
Sternenhimmel im Überblick am 15. Mai 22:00 Uhr MEZ

Grafik erstellt mit Stellarium 0.9.1 http://www.stellarium.org

