Monatsübersicht Juli 2010
Der Vor-Mars nahe der Milchstrasse
Wer sich mit griechischen Göttern und vor allem Göttinnen anlegt, der sollte sich im Vorfeld möglicher Konsequenzen bewusst sein. So fasste der Himmelsjäger Orion einst den Vorsatz alle wilden Tiere und Ungeheuer zu jagen und zu erlegen. Mit diesem Vorhaben zog er sich den Unmut der Göttin der Jagd, des Waldes uns der Hüterin der Frauen und Kinder auf sich. Jene, Artemis genannt, befahl daraufhin dem Skorpion den übermütigen Jäger zu töten. Der Ausgang der Hetzjagd ist umstritten und es existieren zwei Versionen. In der einen stirbt Orion durch einen Stich des Skorpions in die Ferse. In der anderen wird der Skorpion von Orion zuvor zertreten. Diese Geschichte wurde daraufhin an den Sternhimmel versetzt, wobei das Sternbild des Orion und das des Skorpions soweit wie möglich voneinander entfernt sind, um sich nie zu begegnen. Wenn der Skorpion aufgeht, geht Orion unter und umgekehrt.
erstellt mit Stellarium 0.10.4
Genau genommen gehört der Skorpion zu den Sternbildern der Südhalbkugel, da der untere Teil des Schwanzes nur unterhalb griechischer Breiten gesehen werden kann.
Er liegt nahe dem Milchstraßenzentrum und kann so recht einfach entdeckt werden. Aufgrund seiner Nähe zur Milchstraße ist er reich an Sternhaufen und Nebeln, welche aber aufgrund seiner Horizontnähe nicht einfach zu beobachten sind. Am einfachsten und möglicherweise auch am schönsten kann man mit einem Fernglas in der Region des Skorpions auf Entdeckungstour gehen.
Auffällig ist der Kopf des Skorpions Antares, welcher auffallend rot-orange leuchtet. Mit einer scheinbaren Helligkeit von 1,09 mag ist er der 16.-hellste Stern des Himmels. Seine absolute Helligkeit beträgt -5,3 mag und damit ist der Stern im sichtbaren Bereich etwa 10.000-mal hel-ler als die Sonne. Die Oberfläche ist relativ kühl, die Temperatur beträgt lediglich 3.400 Kelvin, weshalb Antares eine orangerote Farbe aufweist und besonders viel für das Auge unsichtbares Infrarot abstrahlt. Zieht man dies in Betracht, besitzt Antares die etwa 65.000-fache Leuchtkraft der Sonne. Aus der relativ niedrigen Temperatur und der starken Helligkeit lässt sich schließen, dass Anta-res gewaltige Ausmaße besitzt. Sein Durchmesser beträgt etwa 1144 Millionen Kilometer. Damit würde er, an die Stelle der Sonne versetzt, weit über die Umlaufbahn des Mars hinaus-ragen. Antares zählt wie Beteigeuze zu den roten Überriesen. In seiner derzeitigen Entwicklungsphase verliert er seine äußeren Gasschichten und bildet dabei einen planetarischen Nebel, der aufgrund eines Begleitsterns sichtbar ist. Antares besitzt genügend Masse, um nach Erreichen des Heliumbrennens einen Eisenkern zu erzeugen und in einer Supernova zu explodieren, noch bevor er alle Gasschichten abgestoßen hat.
Ares war der griechische Gott des Krieges, also die Entsprechung zu Mars. Da Mars ebenso orange-rot leuchtet, allerdings weit nach Antares am Himmel erscheint, benannte man den hellsten Stern des Skorpions (α scorpii) Antares, was wörtlich übersetzt der "Vor-Mars" bedeutet.Sternbild Skorpion und Sommermilchstraße

19.05.2009, Weikersheim, © Jens Hackmann
Himmelsübersicht Juli 2010
Der Sommer ist da. Obgleich wir nun die Sonnenwende hinter uns haben und die Tage wieder kürzer werden, beginnt jetzt die hoffentlich heiße Jahreszeit. Für uns Astronomen bedeutet das leider oft schlechteres Seeing und immer noch zu lange Tage.
Dennoch kommt die Sommermilchstraße in den Nachtstunden schon deutlich zum Vorschein und lädt zu einem ausgedehnten Verweilen im Freien ein und das obwohl die Sonne am 6. Juli mit 152 Mio. km den größten Abstand zur Erde erreicht.
Mond und Planeten
Der nächste Neumond wird am 11.07. um 21:40 Uhr MESZ eintreten. Nächster Vollmond ist am 26.07. um 3:37 Uhr MESZ.
Venus bleibt hellstes Gestirn am Abendhimmel. Während Mars und Saturn nur noch in der Abenddämmerung gesehen werden können.
Jupiter verlagert seinen Aufgang in die späten Abendstunden und wartet mit einer Überraschung auf die Hobbyastronomen. Das südliche Wolkenband (SEB) ist verschwunden und der Große Rote Fleck (ein Wirbelsturm 3x grösser als die Erde) steht nun isoliert auf der Südhalbkugel des Planeten. Wie es zum Verschwinden des Bandes kommen konnte ist für die Astronomen noch ein Rätsel.
Objekte des Monats
Auch im Juli bleibt die Sonne natürlich ein Objekt des Monats. Aber ebenso der Ringnebel M57, der Kugelsternhaufen M13, sowie natürlich die an Objekten reiche Sommermilchstraße sollten bei einer Beobachtung dabei sein.
Für den Besuch der Milchstraße am besten geeignet sind eine kurz gemähte Wiese, eine Decke und ein Fernglas.
Sternschnuppen
Auch im Juli gibt es keine besonders ausgeprägten Sternschnuppenströme.
Sternenhimmel im Überblick am 15. Juli 23:00 Uhr MESZ

Grafik erstellt mit Stellarium 0.10.4 http://www.stellarium.org

