Monatsübersicht April 2010
Der Bärenhüter
„…wenn Sirius hoch am Himmel steht und Arcturus eben aufgeht, dann soll man die Trauben pflücken.“ So schreibt Hesiodus um 700 vor Christus in seinem Bauernkalender.
Seit etwa Ende September, Anfang Oktober ist einer der hellsten Sterne bei uns am Nachthim-mel zu sehen. Es handelt sich um Arktur (lat. Arcturus) im Sternbild Bärenhüter (lat. Boötes, manchmal auch als Rinderhirte bezeichnet).
Zwischen den Sternbildern Herkules und Jungfrau gelegen erinnert der Bärenhüter in seiner Form vor allem Kinder an einen fliegenden Drachen oder an eine Eistüte.
Grafik erstellt mit Stellarium 0.10.2 www.stellarium.org
Der Bärenhüter ist ein altes Sternbild, das schon vor 3000 bekannt und benannt wurde. Der ursprüngliche Name leitet sich ab aus den griechischen Wörtern für Ochse und Antreiber – also der Rinderhirte.
Die Römer sahen in den sieben Sternen des Großen Wagens sieben Dreschochsen, welche von Bootes angetrieben wurden um den Himmelsacker zu bestellen.
Andere Kulturen sahen in dem Sternbild einen Schafshirten oder den Führer der Jagdhunde, welche durch das unweit gelegene Sternbild der Jagdhunde repräsentiert wurden.
Verlängert man die Deichsel des Großen Wagens und behält den Radius der Kurve in etwa bei so kommt man zu dem hellen, gelblich-orange leuchtenden Arktur.
Arktur ist ein sogenannter Roter Riese und nach aktuellen Messungen ungefähr 36,7 Lichtjahre von unserer Erde entfernt. Sein Alter beträgt (seit Beginn des Wasserstoffbrennens) etwa 5 bis 8 Mrd. Jahre. Damit ist er wahrscheinlich deutlich älter als unsere Sonne, sein Durchmesser beträgt das 25fache des Sonnendurchmessers, aber lediglich die doppelte Sonnenmasse auf-weist. Das bedeutet Arktur hat im Kern eine enorm hohe Dichte, da die äußeren Schalen roter Riesen aus nur wenig Gas und somit sehr geringer Dichte bestehen.
Aufgrund von Untersuchungen der Emissionen (ausgehende Strahlung) hat man festgestellt, dass Arktur bereits in der Phase des Heliumbrennens ist. Am Ende des Heliumbrennens wird der Stern seine äußere Gashülle in den interstellaren Raum abgeben und noch für ungefähr 10.000 Jahre als planetarischer Nebel zu sehen sein.
Damit teilt er sich das gleiche Schicksal wie unsere Sonne. Beide Ereignisse, sowohl das Ende unserer Sonne, als auch das Ende Arkturus werden allerdings nach menschlichen Maßstäben noch eine unvorstellbar lange Zeit auf sich warten lassen.
Eine weitere Besonderheit des Riesensterns im Bootes ist seine Eigenbewegung, welche sich sogar mit Amateurmitteln über mehrere Jahre hinweg messen lässt. Pro Jahr verändert Arkturus seine Position um 2,3 Bogensekunden in Richtung Südwest. In knapp 800 Jahren legt der Stern dabei also eine Strecke von ungefähr einem Vollmonddurchmesser zurück.

© T. Credner & S. Kohle, AlltheSky.de
Himmelsübersicht April 2010
Nun da die Sommerzeithürde hinter uns liegt werden die Tage auch wieder spürbar länger. Der Winterhimmel hat sich endgültig vom Nachthimmel verabschiedet. Mit dem Frühlingsdreieck bestehend aus Arktur (Bootes), Regulus (Löwe) und Spica (Jungfrau) hat der Frühling den Himmel erobert.
Mond und Planeten
Der nächste Neumond wird am 14.04. um 13:29 Uhr MEZ eintreten. Nächster Vollmond ist am 28.04. um 13:18 Uhr.
Zwischen dem 15. und dem 18. des Monats gibt der nun schon deutlich kleinere und lichtschwächere Mars seine Abschiedsvorstellung indem er an dem offenen Stern-haufen M44 (Praesepe oder Krippe) im Krebs in nur 1° Abstand vorbeizieht.
Der kleine Merkur bietet im April die einzige Abendsichtbarkeit des gesamten Jahres, während sich Venus anschickt ihre strahlende Rolle als Abendstern einzunehmen.
Der Ringplanet Saturn ist nach seiner Oppositionsperiode im März rückläufig und kann die ganze Nacht beobachtet werden. Leider steht er im Sternbild Jungfrau relativ tief.
Objekte des Monats
Das Frühjahr ist traditionell die Zeit der Galaxien. Herrliche Beobachtungsobjekte sind dabei das sogenannte Leo-Triplet, mit den Galaxien M65, M66 und NGC3628.
Auch die spektakuläre Whirlpool-Galaxie M51 im Großen Wagen oder die Sombrerogalaxie in der Jungfrau sind prächtige Beobachtungsziele.
Abgerundet werden die Objekte des Monats durch die zahlreichen offenen Sternhaufen des Frühlingshimmels. Besonders bemerkenswert, da immer ein Objekt für kleinere Teleskope und Ferngläser, sind dabei die offenen Haufen M44, M35 und M67. Einen Vorgeschmack auf den Sommer bieten dabei schon die Kugelsternhaufen M3 und M53, welche aber erst zu späterer Stunde einen lohnenden Anblick versprechen.
Sternschnuppen
Im April erreichen die Virginiden ihre wenig ausgeprägtes Maximum. Ihr Radiant liegt in der Jungfrau.
Ein lohnenderer Sternschnuppenstrom im April sind die Lyriden, welche in der Zeit vom 16. bis 25. April aktiv sind. Die Sternschnuppen erreichen dabei Geschwindigkeiten um die 50 Kilometer pro Sekunde und folgen ihrem Radianten, welcher in etwa 7° südwestlich der Leier liegt. Die günstigste Beobachtungszeit ist dabei zwischen 22 Uhr und 4 Uhr.
Um den 17. April aktiv sind die Sigma-Leoniden, welche aber in den letzten Jahren kaum noch beobachtet werden konnten. Es ist davon auszugehen, dass dieser Sternschnuppenstrom ver-siegt.
Sternenhimmel im Überblick am 15. April 22:00 Uhr MEZ

Grafik erstellt mit Stellarium 0.10.2 http://www.stellarium.org

