Venustransit am 08. Juni 2004
Das Highlight für Sterngucker im Jahr 2004 ist der Durchgang unseres inneren
Nachbarplaneten Venus vor der Sonnenscheibe am 8. Juni 2004. Solche Venus-Durchgänge
vor der Sonne sind seltene Ereignisse. Sie treten meist paarweise im Abstand
von 8 Jahren auf, gefolgt von einer mehr als 100-jährigen Pause. Das letzte
Mal war Venus am 6. Dezember 1882 vor der Sonnenscheibe zu sehen.
Wie kommt es überhaupt zu einem Venus-Durchgang? Die Planeten Merkur und
Venus umkreisen die Sonne auf Bahnen, die innerhalb der Erdbahn liegen. Nach
dem zweiten Keplerschen Gesetz bewegen sich sonnennähere Planeten schneller
als sonnenfernere. Die Venus überholt die Erde deshalb alle rund 584 Tage
auf der Innenbahn. Sie steht dann zwischen Sonne und Erde in so genannter "unterer
Konjunktion".
Die Ebene der Venusbahn ist um rund 3 Grad gegen die Erdbahnebene geneigt. Bei einer unteren Konjunktion zieht die Venus deshalb im Allgemeinen etwas oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei, es sei denn die Venus befindet sich zum Zeitpunkt der unteren Konjunktion auf ihrer Bahn gerade ganz in der Nähe eines der beiden Schnittpunkte der Venusbahnebene mit der Erdbahnebene ("Knoten").
Wenn wir also bei einer unteren Konjunktion nahezu auf die Ebene der Venusbahn blicken, kann die Venus von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe stehen. Da die Venus als Planet nicht selbst leuchtet, sondern von der Sonne beschienen wird, sehen wir während eines Venus-Durchgangs nur die sonnenabgewandte Nachtseite des Planeten - die Venus steht als schwarzes Scheibchen vor der hellen Sonnenscheibe.
Die schwarze Venusscheibe schiebt sich am 8. Juni 2004 ab ca. 7.20 Uhr MESZ am südöstlichen Sonnenrand vor die Sonne und zieht dann bis ca. 13.33 Uhr MESZ zum südwestlichen Sonnenrand (siehe Animation). Vorsicht bei der Beobachtung! Niemals mit ungeschützten Augen in die Sonne sehen! Zur Beobachtung mit bloßem Auge eignen sich so genannte Finsternisbrillen, die im Optik-Fachhandel zu beziehen sind. Bei der direkten Beobachtung der Sonne durch ein Fernglas oder Fernrohr sind spezielle (Objektiv-) Filter zu verwenden.
Hier die Daten für unsere Sternwarte:
| 7h20m02.8s | Partieller Venustransit beginnt Positionswinkel=117.6deg, Vertikal-Positionswinkel=162.6deg, Höhe=17.7deg |
| 7h39m40.3s | Kernschattenfinsternis beginnt Positionswinkel=120.9deg, Vertikal-Positionswinkel=166.6deg, Höhe=20.9deg |
| 10h22m37.6s | Maximale Finsternis: Venustransit Größe=3.056%, Abdeckung=0.093% Positionswinkel=166.7deg, Vertikal-Positionswinkel=210.3deg, Höhe=47.8deg, Dauer der partiellen Phase=6.06h Dauer der totalen/ringförmigen Phase=324.45min, ET-UT=64.5sec |
| 13h04m07.1s | Kernschattenfinsternis endet Positionswinkel=212.4deg, Vertikal-Positionswinkel=218.0deg, Höhe=65.4deg |
| 13h23m23.2s | Partieller Venustransit endet Positionswinkel=215.7deg, Vertikal-Positionswinkel=213.4deg, Höhe=65.6deg |
Venus-Durchgänge haben in der Geschichte der Astronomie eine große Rolle gespielt. Im 17. Jahrhundert erkannten der berühmte englische Astronom Edmond Halley und andere, dass es durch die genaue Beobachtung eines Venusdurchgangs gelingen müsste, die absolute Entfernung der Erde von der Sonne zu bestimmen. Zu jener Zeit kannte man aus den Keplerschen Gesetzen nämlich nur die relativen Entfernungen der Planeten zueinander. Man wusste z.B., dass die Jupiterbahn rund fünfmal soweit weg von der Sonne wie die Erdbahn liegt - aber wieviele km sind das? Halleys Idee war nun, einen Venusdurchgang von möglichst weit entfernten Punkten auf der Erde aus zu beobachten. Die Position des Venusscheibchens vor der Sonne und die Dauer des Durchgangs ist für zwei Beobachtungsorte A und B jeweils etwas verschieden. Da die Größe der Erde zu Halleys Zeiten bereits recht genau bekannt war, würde sich die Entfernung der Erde zur Sonne aus den an verschiedenen Orten beobachteten Daten des Venusdurchgangs berechnen lassen.
Und so gab es bei den Venus-Durchgängen von 1761, 1769, 1874 und 1882 viele für die damalige Zeit aufwendige und teilweise abenteuerliche Expeditionen zu möglichst weit auseinanderliegenden Orten auf verschiedenen Kontinenten. Eine dieser Expeditionen z.B. stand unter dem Kommando des berühmten englischen Kapitäns James Cook und führte nach Tahiti, um den Durchgang von 1769 zu beobachten. Cook und seine Leute hatten Glück mit dem Wetter. Insgesamt waren die Ergebnisse jedoch eher enttäuschend: Das Wetter, die Luftunruhe und instrumentelle Effekte verhinderten, dass die Entfernung zur Sonne mit der erwarteten Genauigkeit bestimmt werden konnte.
Heute haben Venus-Durchgänge ihre einst so große Bedeutung für die Wissenschaft verloren. Man bestimmt die genaue Entfernung zur Sonne mit anderen Mitteln, etwa durch die Messung der Laufzeit von Radarstrahlen zur Venus und zurück. Dennoch ist es reizvoll, das seltene Schauspiel eines Venus-Durchgangs vor der Sonne mit eigenen Augen zu beobachten.
Etwas dunkler als bei solchen, bei denen er die maximale Entfernung von der Erde hat. Am 9. Januar steht der Mond fast genau in Erdnähe, sodass die Finsternis vielleicht nicht zu den allerhellsten zählen wird.
Die Helligkeit und Verfärbung des Mondes bei Mondfinsternissen wird in einer fünfstufigen Skala nach dem französischen Astronomen André Danjon eingeschätzt.

